Gedankenblitze
Unverhofft leuchten Gedanken in meinem Bewusstsein auf. Dort bleiben sie haften und bestimmen mein Denken und Handeln. Immer wieder staune ich über das unendliche Ideen-Reservoir, aus dem ich schöpfe.
Das Paradoxe dabei ist, dass mein Tun und Handeln von meinen Gedanken abhängt, ich aber keinen Einfluss auf das Entstehen derselben habe. Gedanken und Idee kommen nicht zu mir, wenn ich will, sondern sie leuchten zeitweise bei Tätigkeiten, die das Bewusstsein dämpfen in mir auf.
Stundenlang kann ich vor dem Bildschirm sitzen und keine zündenden Ideen fallen mir ein. Gehe ich aber Joggen, fällt mir eine gute Idee nach der andern zu. Ich zehre von einem Gut, das ich nicht beeinflussen kann.
Im Dezember 2006 zog ich mir bei einem Fahrradunfall eine Kopfverletzung zu. Inmitten auf der Strasse, auf der ich fuhr, bremste unverhofft ein Auto vor mir. Schadhafte Fahrradbremsen, meine zu zögerliche Reaktion hatten zur Folge, dass ich in das Auto donnerte und mit dem Kopf auf das Heck aufschlug. Ich hatte Glück, mein Fahrradhelm fing den Schlag auf und schützte mein Kopf vor einer grösseren Verletzung. Nichtsdestotrotz verlor ich für kurze Zeit mein Bewusstsein und lag Blut überströmt auf der Strasse.
Ausser einer Schnittwunde, die durch meine Brille über dem Jochbein verursacht wurde und einem mächtigen Schlag auf den Kopf, trug ich keine grösseren Verletzungen davon.
Der Schlag, den ich auf den Kopf erhielt, hatte zur Folge, dass ich nicht mehr denken konnte. Das Verknüpfen von Gedankenfäden bereitete mir Schmerzen. Zu diesen Schmerzen gesellte sich die Angst, dass ich dauerhaft die Fähigkeit zu Denken verloren habe.
Leidvoll war die Erfahrung, dass ich erst nach zwei Tagen mit Mühe wieder denken konnte, aber meine Gedanken nicht mehr zu gesprochenen Sätzen umformen konnte. Zeitweise verlor ich die Fähigkeit koordiniert, zu sprechen. Selbst heute, vier Monate nach dem Unfall, habe ich zeitweilig Mühe ganze Sätze zu formen.
Aus diesen Erlebnissen ziehe ich den Schluss, dass ich zwar keinen Einfluss auf das Kommen und Gehen meiner Gedanken habe, mein Gehirn aber das Gefäss ist, in dem die Gedanken einströmen. Nicht in meinem Gehirn entstehen die Gedanken, sondern sie strömen aus dem Logos, dem göttlichen Weltgrund in mir ein.
In mir haftet das Gedankenbild eines platonischen Logos, aus dem sich Ideenskizzen materialisieren und zu physischen Objekten werden. Gleichwohl die Gedanken bei rhythmischen, unterbewusst körperlichen Tätigkeiten zum Menschen gelangen. Irgendetwas ist an dem Buchtitel, die „Welt als Wille und Wahrnehmung“ von Schopenhauer schon dran.
Gedankenblitze ist mein Logbuch, in dem ich Gedankenfetzen festhalte, die mir beim Joggen und Velofahren in den Sinn kommen.
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Autor: admin • 9. März 2007 • Rubrik: Philosophie • Kommentare (0) •