Digital irgendwas: Natives, Immigrant, …
Blinde Wissenschaft
Als Massenmedium ist das Internet noch keine 20 Jahre alt. Soziale Netzwerke sind noch jünger, sie sind mit dem Web 2.0 aufgekommen.
Bevor das Internet und die Sozialen Netzwerke sich richtig etabliert haben, hat sich die Soziologie der Neuen Medien angenommen.
Für Soziologen und Publizisten sind die Neuen Medien ein gefundenes Fressen. Für die Recherche muss das Studierzimmer nicht verlassen werden. Google nimmt die Suche ab und schützt die Soziologen vor dem Gang an die frische Luft.
Für Wissenschaftler ist das Internet eine bequeme Sache, der Remix mit Copy & Paste nimmt den grössten Teil der Arbeit ab. Geisteswissenschaftler, die die Eigenheit der Plagiatssuchdienste berücksichtigen, kommen schneller zu Ruhm und Ehren.
Online Soziologie ist eine faszinierende Sache. Sie zeigt auf, wie eine Technologie innert kurzer Zeit das soziale Verhalten der Menschen verändert.
Störend an der Online Soziologie ist die voreingenommene Haltung. Das Internet wird von vornherein positiv bewertet. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Neuen Medien bleibt aus.
Der Fokus ist einseitig auf die neuen erworbenen Fähigkeiten gerichtet. Der Verlust an kognitiven Fähigkeiten, die mit der mit dem Siegeszug der Neuen Medien einhergeht, wird nicht untersucht.
Digital Blabla
Der Digital Divide ist eines der grossen Themen der Online Soziologie. Digital Natives werden den Digital Immigrants gegenübergestellt.
Digital Natives sind mit dem Internet aufgewachsen. Bevor sie Reden und Gehen können, Klicken und Surfen sie.
Digital Immigrants sind die Alten. Sie wurden in der Analogen Welt geboren und müssen sich den Zugang zu den Neuen Medien mühsam erkämpfen.
Wie nichts anders zu erwarten, schneiden die Digital Immigrants im Umgang mit den Neuen Medien schlechter ab, als die Digital Natives.
Des langen und des breiten werden die überragenden Fähigkeiten der Digital Natives hervor gehoben. Die Digital Natives haben das Internet mit der Muttermilch aufgesogen. Intuitiv gehen sie mit neuen Gadets um und wissen, wie man in der digitalen Ödnis zu überlebt.
Ob die Digital Natives selber eine Salatsauce herstellen oder ihre Strümpfe selber stricken können, wird von den netaffinen Soziologen nicht untersucht. Auf die Idee das Arbeit und nicht Wissen den Magen füllt, ist noch kein Online Soziologe (Damen und Herren) gekommen.
Alles was nicht zählt
Sobald es um handwerkliche Arbeiten geht, machen die Digital Natives einen so erbärmlicher Eindruck wie Digital Immigrants, die den Job gefasst haben, einen Linuxkernel zu kompilieren.
Damit Wissenschaftler nicht verhungern, brauchen für die Industrie interessante Forschungsgebiete. Mit Schlagworten wie Digital Natives und Digital Immigrants, lässt sich bei der Industrie Gelder lockermachen.
Online Soziologie ist ähnliche wie Genderstudies ein Hype. Was sich in der Theorie gut anhört, ist noch lange nicht relevant in der Praxis.
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Autor: gedankenblitze • 16. Mai 2009 • Rubrik: Medien, Philosophie • Kommentare (0) •
Tags: Internet, Medien, Wissenschaft